Ein Auge für einen Blick
Es gibt den einen Augenblick, der dein Leben verändert. Verändert hat. Vielleicht verändern wird. Du gabelst ihn auf, er liegt breitbeinig am Straßenrand, die Hand zum Betteln ausgestreckt, voller Ruß und Gram von jahrhundertelangem Warten. Auf dich und deinen Atem. Er krächzt um Aufmerksamkeit, buhlt liebedienerisch, Sabber trieft das Kinn herunter. Ein Auge für einen Blick.
Nun bist du da, flimmernder Schleier, sengende Hitze, einfach nur da, siehst den Anderen, fährst in diesen Augenblick hinein, krallst dich fest mit deinen knochigen Fingern, zitterst im Staub. Blicke begegnen sich, fremde Kulturen schlängeln sich im Winde, fremde Zungen säuseln von Lust, irgendwo spiegelt sich Leben. Das Sein des Anderen in der Pfütze deines Blickes verzerrt. Der jetzt du bist.
Die Bewegung erstarrt in dem einen Moment, in dem sich Leben kreuzen, ineinandergreifen, auseinanderfließen, meistens ist das Auge zu spät. Hinkt auf Krücken hinterher. Schwammig das Begreifen, kurz vor Erleuchtung. Du nimmst das Wasser. Ist der Tropfen trüb oder seelig? Reich mir die Hand. Was bietest du Fremder? Tränk meine Lippen. Nur der Zeigefinger am Drücker, lädt durch, schießt, hält ihn fest, den Blick fest im Auge, den einen Augenaufschlag, für die Ewigkeit. The killer takes it all. Gerüche und Farben, feinster Staub dringen jetzt durch, durch dich hindurch, zu dir, du schwitzt orientalische Gewürze, Salz und Wasser, hörst Krötengesang. Später. Die Zeit ist wieder im Lot. Die Reise geht weiter. Mit oder ohne dich. Es spielt keine Rolle. Du bist fort, die Suppe wird kalt. Nichts hat sich verändert. Alles.
Objet trouvé I
Was soll das denn bitte sein? Denke ich noch als ich das Foto zum ersten Mal sehe. Stillleben mit nackter Frau, Gasmaske und Farn. Sepia-Ton. Das Bild liegt zum Verkauf auf einem Flohmarkttisch neben anderen Kuriositäten aus. Schreit mein Auge an, ich muss es haben.
Dieser Akt erschüttert mein Stilempfinden bis auf die Knochen. Es ist hässlich. Kann es nicht einordnen. Nehme es in die Hand. Kann die Ästhetik nicht ansiedeln. 70er, 80er, 90er. Vielleicht früher. Später schließe ich aufgrund der wild sprießenden Achsel- und Intimbehaarung aus. Obwohl es heute immer noch Frauen gibt, die sich dem medial eingeimpften Enthaarungskult entziehen. Vielleicht zu Recht, ist aber ein anderes Thema.

Unter einer Gasmaske versteht man eine maskenförmige Schutzbedeckung (meist aus Kunststoff, früher auch aus Leder oder Stoff), die getragen wird, um ihren Träger mittels ihrer Dichtheit gegen giftige und reizenden Kampfstoffe zu schützen. Gasmasken besitzen in der Regel einen separaten Atemschutzfilter, der entweder direkt an der Maske befestigt oder durch einen flexiblen Schlauch mit ihr verbunden ist. Neben der Anwendung im militärischen Bereich finden sich Gasmasken auch als Rettungsmittel für Zivilpersonen und im industriellen Bereich sowie als Fetischartikel für sexuelle Praktiken wie Breathcontrol. (Wikipedia)
Fast perfekt
Werden sie zu laut, wird das Gesprochene unverständlich, reden sie im Kreis und paralell, wird es zu bunt, zu wild, zu wirr und überhaupt, dann zieh den Stecker.
Ruhe ist dann.
Irrfahrt für’s Volk
Gelacht habe ich. Schallend gelacht. Gehört ja nun nicht zu meinem täglichen Repertoire. Deswegen die Betonung auf Lachen, wiehernd und fett. Ein Lachen, das im Körper hängen bleibt und wie ein Schluckauf wieder kommt, vom Körper Besitz ergreift. Schüttel dich. Oder weine. Du folgst den Befehlen widerstandslos. Du singst, du bist bis auf die Knochen gerührt, es tut weh & du lachst, mal wirr, mal entspannt, während Willi Lieverscheidt die Irrfahrten des Odysseus auf seiner zusammengebretterten Bühne gibt.
Kurz vor acht auf den Aaseewiesen in Münster. Lieverscheidt im Clownkostüm verkauft die Karten. Ein kleines Zelt, sein Wohnwagen dahinter. Selbstbedienung bei den Getränken. Die Plätze auf den Bänken für nicht mehr als 50 Leute. Den Rest des Beitrags lesen »
Alles im Blick

Du bist Securitate, Stasi und CIA in einem. Sie betrügen dich immer. Sowieso. Es ist deine Pflicht. Lass sie nicht aus den Augen. Beobachte sie hinter deiner Brille. Du bist der Jäger. Sie nur das Wild. Inspiziere alles ganz genau. Wen ruft sie an, was sagt sie, was meint sie, was verbirgt sie? Jede Regung, jeder Blick. Nichts entgeht dir. Dir, dem Ehemann.


