You gotta take it to hell
Willkommen im Karussell der Dämonen. Wirbeln Sie Ihre Ängste durch die Luft. Willkommen im Reich der Geister. Fahren Sie eine Runde Riesenrad, tot geboren, lebendig begraben. Alte Seelen tanzen im Wind. Darauf wartend geschrieben zu werden. Nehmen Sie Platz in der Achterbahn der Gefühle, machen Sie es sich gemütlich, Katharsis beginnt sogleich. Ein wenig mehr Leidenschaft, meine Damen und Herren! Willkommen in der Zirkusshow, hier wo Freaks und Serienkiller Geschichten erzählen. Von der anderen Seite. Engel trompeten. Schrei mein Herz. Treten Sie ein, meine Herrschaften. Abgebissene Rattenköpfe, das Blut tropft das Kinn hinunter, ein Fötus treibt im Einmachglas, konserviert in Flüssigkeit, ein Mann explodiert auf der Bühne. Herzlich willkommen in der Welt von Joe Coleman, kommen Sie näher! Betreten Sie Ihr Innerstes, den Ort, den Sie sonst meiden. Steigen Sie ein, steigen Sie in das Bild, die Reise beginnt.

"... Think if you could literally explode, if you could literally blow up but still be there after it, then you wouldn’t have to kill all the people you would like to kill. You could literally make it a catharsis by exploding. I think everybody has felt trapped in their body before. You must have felt like you just wanted to explode sometime. It is an attempt to try to communicate with another person, too. I mean, if you stab someone, that’s a connection to another person too – it is also one that is suicidal because it kills you and the act. I don’t want to go in that direction, because I don’t want to be killed. But I need to express that, so how do you express it, how do you get it out? You can’t read fucking poetry, you can’t sing a folk song, that don’t get it. You gotta take it to hell. In order to have a real catharsis for a modern audience you have to deal with modern demons. You don’t find them by looking outside, you find them by looking inside, by what’s inside of you, because what is inside of me is also inside of you, you come from the same culture that I do. They might not always be specific, but for the most part you’ve gonna be able to identify with my symbols, those that move me. I put the inner demons outside, because they are less dangerous outside. If they are inside and they are locked in there, they get repressed, they can get really dangerous and that’s why you need a valve to unload the pressure. The performance is part of it and so is the painting. Paintings are more like archeological digs in my own head. I just start anywhere and I don’t really know what a painting is gonna be. So I let it tell me what’s going on. I'll finish a piece completely and then add another one like a puzzle or like a scrawl and by the time the thing is finished, I'll find out something that was going on inside and even though the surface has been build up. I'm actually digging ..." (from the Interview with Joe Coleman by Dana Bordan & Rudolf Stoert, N.Y.C.)
Mehr von Joe Coleman unter www.joecoleman.com
Weg

Es gibt Bilder, die schaut man an und vergisst. Vergisst sich. Taucht in Welten vergilbter Zeit ein. Nimmt den Pfad durch das Dickicht des Unbewussten. Bieg ab. Dorthin, wo Menschen aus dem Rahmen fliegen. Sie lassen Federn und offene Bücher zurück, wispern dir aus dem Raum entfleuchte Geschichten ins Ohr. Ich bin doch da. Hast du noch gedacht. Und warst schon weg. Weg in den Bildern von Maleonn.
Mehr Bilder des chinesischen Fotokünstlers Maleonn auf http://www.maleonn.com/.
Damals
Damals ist immer wann anders. Aber damals als die Mauer fiel, blieb die Zeit stehen. Der Atem stockte. Blieb die Zeit in unseren Herzen stehen. Als die Welt nach Atem rang, zerbarsten wir über Berlin in Millionen Fragmente. Und erfanden uns neu. Wer auch immer wir vorher waren, oder nicht waren, wir waren es danach nie wieder.
Während sich die Menschheit sammelt und die Geschichte sich langsam ordnet, fallen Teile Berlins in Trance. Damals in den 90ern. Wie von Geisterhand entfesselt stampft die Stadt ihren eigenen Rhythmus. Marode Häuserfassaden, jahrzehntelang verlassene Keller werden zur Bühne für eine unkontrollierbar wütende Energie. „Reiß alles nieder, steig aus der Asche empor“ heißt das Stück. Im Schutt schicksalhafter Geschichte geben sich Kunst, Trash und Techno ein Stelldichein. Mitten auf der Straße. Dichte mein Werk. Zusammengeschusterte Galerien und Clubs sprießen wie Unkraut aus dem wiedervereinigten Boden, halb legal, oft illegal. Kleb die Landkarte zusammen. Es gibt kein Morgen danach. Ist das Gefühl. Es gibt keine Regeln, lebe es aus, atme es ein, alles ist erlaubt. Den Rest des Beitrags lesen »
Für dagegen

Für das Dagegen sein, den Blick umkehren, woanders hinschauen, die Gardinen aufreißen, den Ausblick genießen. Antifotos auf der ANT!FOTO in Düsseldorf.
Memorabilia

Erinnerungsvermögen ist die Fähigkeit, im autobiographischen Gedächtnis vorhandene Repräsentationen von Erlebnissen (= Erinnerungen) zu finden. Das Erinnerungsvermögen ist nicht zu verwechseln mit der Fähigkeit, auswendig gelerntes Wissen von Ereignissen abzurufen. (Wikipedia)
Die S-Bahn rast am Hochhaus vorbei, 70er Jahre Architektur, gelb auf grau, bunte Fetzen betrunkener Bilder hinterlassend. Bellevue. Ein One-Night Stand vor hundert Jahren. Kannst du dich erinnern? Ein Aids-Test danach. Jahrhundertwende in Stein gemeißelt überlagert das Bild. Hackescher Markt. Schicksal schmiegt sich an Schicksal, eng an eng gleiten die Körper im schnellen Rhythmus über das Parkett. Eine Ausstellungs-eröffnung später in der Zeit. Ein rauschendes Fest. Gesichter voll Ausdruck verzerrt, Künstler, Poeten. Nächte in Kneipen die Kulturrevolution planend. Schwanger mit Ideen. Cut-up your mind. Ein Mensch stirbt in der Wohnung seines Freundes. Mit der Nadel im Arm. Im weißen Hochzeitskleid auf den Dächern Millenium feiern. Kurz vor Himmel und die Schärpe windet sich im Wind deiner Phantasie. Steig ein, es ist ein totes Huhn. Die S-Bahn fährt weiter, weiter am Institut des Wissens vorbei, schaufel dir Bildung in dein Kopf. Buch für Buch, Semiotik der Zeichen. Nur der Sand sickert durch. Mit 17 in die Stadt. Eine Handvoll Kunst weiter, mit 35 raus. Inszeniertes Leben, rien ne va plus. Die Erinnerung wiegt schwer in der Stadt der Erinnerung. Tonnen von Jahren schwer, um genau zu sein. Der Kopf geht zu Neige. Berlin, du Hure. An jeder Straßenecke biederst du dich an, Illusionen für Geld, Theater der Grausamkeit. Wer bietet mehr? Halt ein. Copy & paste. Ich nehme den Zug am Hauptbahnhof. Den Schnellzug zurück in mein Leben.
Mehr Ray Caesar, mehr Lowbrow Art.
Verwüstete Landschaften

Sophie Ristelhueber Every One # 14 (Jeder Einzelne) Silbergelatine-Abzug, Unikat 270 x 180 cm Victoria & Albert Museum, London © Sophie Ristelhueber / Pro Litteris, Zürich 2009
Früher hatte Sophie Ristelhueber Landschaften fotografiert. Vergewaltigte Landschaften. Der Mensch dringt gewalttätig in fremde Länder, in fremde Natur ein und hinterlässt geballte Verwüstung. Manche nennen es salopp Krieg.
In den 90ern machte mich das Buch „Fait“ auf die Fotografin aufmerksam. Bilder während und nach dem Golfkrieg aus der Luft geschossen. Verlassene Panzer im Wüstensand. Spuren des wirr durch die Gegend marschierenden Todes. Zum Teil ähneln die Aufnahmen den Zeichen im Kornfeld, bei deren Auftauchen immer die Frage gestellt wurde: „Sind die Außerirdischen unter uns?“ Bei Ristelhueber weiß man aber, dass diese Gestaltung der Natur nicht von kunstfertigen Außerirdischen vorgenommen wurde. Wir Menschen selbst sind unter uns und wüten einfach mal ein wenig rum. Den Rest des Beitrags lesen »
Fast perfekt
Werden sie zu laut, wird das Gesprochene unverständlich, reden sie im Kreis und paralell, wird es zu bunt, zu wild, zu wirr und überhaupt, dann zieh den Stecker.
Ruhe ist dann.
Do you understand that you are alone?
those who arrived a few days before you, look down on you.
do you understand that you are alone? Den Rest des Beitrags lesen »
Neulich an der Bushalte
An der Bushalte sehe ich sie das erste Mal. Warte auf den Bus. Die Beine entblößt, leicht gespreizt. Der nackte Körper von opulentem Fell umschlungen. Das Wildkatzengesicht in Prachtmähne gebettet. „Die Frau ist schön“ ist gar kein Ausdruck. Sie hat Klasse. Charlotte hat Stil, ihr gleißender Blick durchdringt jeden. Jeden, der sie anschaut. Den Rest des Beitrags lesen »
No pictures, please!
Die Geschichte ist schnell erzählt. Da sitzt ein Mann auf einem Stuhl. Steht auf. Geht weg.

Ein Mann. Ein Stuhl. Ein Bild. Ein Feuerlöscher.
An den Wänden hängen Fotografien von einer Stadt in Infrarot, von entblößten Frauen in eindeutig pornografischen Posen, digital verwischt. Da hängt der Mikro- und der Makrokosmos. Aus anderen Kontexten gestohlene Bilder, reproduziert und wirkungsvoll inszeniert. Es ist Kunst. Es ist Winter. Es ist die Retrospektive von Thomas Ruff im Mücsarnok am Heldenplatz in Budapest. Den Rest des Beitrags lesen »




