Die Geschichte ist schnell erzählt. Da sitzt ein Mann auf einem Stuhl. Steht auf. Geht weg. 

Ein Mann. Ein Stuhl. Ein Bild. Ein Feuerlöscher.
Ein Mann. Ein Stuhl. Ein Bild. Ein Feuerlöscher.

An den Wänden hängen Fotografien von einer Stadt in Infrarot, von entblößten Frauen in eindeutig pornografischen Posen, digital verwischt. Da hängt der Mikro- und der Makrokosmos. Aus anderen Kontexten gestohlene Bilder, reproduziert und wirkungsvoll inszeniert. Es ist Kunst. Es ist Winter. Es ist die Retrospektive von Thomas Ruff im Mücsarnok am Heldenplatz in Budapest.

Der Wärter sitzt acht Stunden am Tag. Auf seinem billigen Stuhl. Manchmal sogar mehr. Es ist still. Die Luft ist trocken. Touristen kommen und gehen, der Boden knarzt, Kunstkenner schleichen, Fotografen üben das Denken, Studenten gestikulieren in geflüsterter Debatte, Liebende vereint im Zungenkuss. Die digitale Welt hat die Bilder auf den Kopf gestellt. Nicht immer sind die Besucher leise, nicht immer halten sie sich an die Order. Fotografieren tabu. Deswegen ist der Museumswärter da. Um für Ordnung zu sorgen. Um das Feuer zu löschen. Er wacht über Zeit und Raum.

Er schaut von seinem vergilbten Buch auf, sein Blick gleitet über die Brille in den Raum. Auf der Suche nach der Quelle. Er hat was gehört. Dann taucht er wieder in Welten seiner Phantasie. Meistens. Er ist nicht von dieser  Sorte Mann, wo ein Leben hinter dem Buch, hinter dem Bild, hinter den Wänden zu vermuten wäre. Er rettet das Museum, das reicht.

Wären da nicht diese  ignoranten Ruhestörer. Es blitzt. Regelverstoß. Und wieder. Wäre er unsichtbar. Ein Held. Im Kampf. Warten. Anpirschen. Denen das Leben zur Hölle machen, das ist der Plan. Aufstehen, hinterher, keinen Augenblick alleine lassen. Und schon wieder sieht er es aus den Augenwinkeln blitzen. Ich habe es schon mal erklärt. Da müssen sie auch nicht um mich herumscharwenzeln. Keine Bilder. No pictures, please. Keiner klaut hier Bilder. Keiner verlässt den Raum. Keiner.