Kaugummis, Kondome und Zigaretten haben längst ihre Lobby. Automaten wo man nur hinsieht. In der Innenstadt, in den Außenbezirken, auf dem Land, nichts außergewöhnliches, kennt man, schaut man nicht mehr hin. Außer man braucht es. Ganz dringend.

Was ist, wenn es einen aber nach Höherem strebt? Im Morgengrauen. Nach zarter Versuchung der geschriebenen Art, nach einem in Worte gehüllten Traum für die Liebste, für den Liebsten Fußballgedichte für das Spiel nach dem Spiel? Einfach nur nach Poesie? Was dann? Ganz einfach. Literatur-Automat, sagt man so salopp, ist doch klar. In jeder Kneipe sollte einer stehen, in jeder Strasse mindestens.

Und wenn dieser herbeigesehnte und endlich gefundene Automat für die verlangten zwei Euro nicht die gewünschte und versprochene Lektüre ausspuckt, wenn er dein Geld geringschätzt, diese Kiste aus Blech, sogar mit Verachtung herausspuckt, du versuchst es drei Mal, fünf Mal, du brauchst es, du brauchst die Linderung der Worte, das einzige Pflaster für deine Wunden. Bist du der Ware nicht wert? Der Wortkick, Silben schießen in deine Venen, breiten sich in deinem Kopf wohlig warm aus, reihen sich zusammen und lullen dich ein in den Klang des Versprechens. Wenn du es so sehr willst und es so gar nicht bekommst. Weil der Scheiss-Automat deine verdammten zwei Euro nicht annimmt. Ja dann. Dann hau ihn, knack ihn auf, Kung Fu, Bolzenstange, hol dir was du brauchst, egal wie.

literaturautomat vor dem cuba in münster, achtermannstrasse
literaturautomat vor dem cuba in münster, achtermannstrasse

In deiner Phantasie. Dieser Aufruf zur Gewalt ist literarischer Natur, versteht sich von selbst. Ein hausmeisterlicher Aufruf den lokalen Literaturautomaten bitte schön instand zu halten, immer brav zu füllen. So dass jeder in  literarischer Not, jeder in seiner persönlichen Sackgasse die Chance erhält, Bonmots in Hülle und Fülle und zu jeder Tageszeit ziehen zu können. Manchmal will man gar nicht mehr. Manchmal reicht das zum Glück.