buffo1Gelacht habe ich. Schallend gelacht. Gehört ja nun nicht zu meinem täglichen Repertoire. Deswegen die Betonung auf Lachen, wiehernd und fett. Ein Lachen, das im Körper hängen bleibt und wie ein Schluckauf wieder kommt, vom Körper Besitz ergreift. Schüttel dich. Oder weine. Du folgst den Befehlen widerstandslos. Du singst, du bist bis auf die Knochen gerührt, es tut weh & du lachst, mal wirr, mal entspannt, während Willi Lieverscheidt die Irrfahrten des Odysseus auf seiner zusammengebretterten Bühne gibt.

Kurz vor acht auf den Aaseewiesen in Münster. Lieverscheidt im Clownkostüm verkauft die Karten. Ein kleines Zelt, sein Wohnwagen dahinter. Selbstbedienung bei den Getränken. Die Plätze auf den Bänken für nicht mehr als 50 Leute. Irgendwiebuffo4 sitzt hier jeder in der ersten Reihe. Alles zum Anfassen und Decken wenn es kalt wird. Nostalgie herrscht in der Compagnia Buffo immer, eine Atmosphäre von Jahrmarkt wie es früher gewesen sein muss. Die Atmosphäre verdichtet sich, je öfter Willi Lieverscheidt die Bühne betritt. Und da das aktuelle Buffo-Stück „eine Odyssee“ nur von ihm gespielt wird, betritt natürlich vorerst kein anderer die Bühne. Lieverscheidt spielt sie alle; den Odysseus, den Lacan erwähnenden und spuckenden Professor, den Operndirigenten, buffo6den Zyklopen, die Circe & all die anderen, aber vor allem sich selbst an die Wand. Später kommt noch der Hund auf die Bühne. Die läufige Hündin, die den Entschluss gefasst hat, sich meine Begleitung als Objekt der Begierde auszusuchen. Gelacht ist gar kein Ausdruck.

„Wir wollen ein Theater machen, das aus einem kindlichen Vergnügen entspringt“, so die Theaterphilosophie der Compagnia Buffo. buffo5Vielleicht entspringt dieser kindlichen Quelle das übermannende Lachen. Vielmehr als Lachen ist auch Staunen bei den Grenzverschiebungen der Wirklichkeit gefordert, wo Schattenspiel in Kasperletheater übergeht, gespickt mit schwarzem Humor, und Erzähltheater und Stummfilmremake Hand in Hand gehen. „Die Poesie des Bizarren versteckt hinter dem Anschein der Normalität.“ Man folgt Odysseus wie ein Kind dem Kasperle, mit aufgerissenen Augen und Mitgefühl. buffo3Lieverscheidt kann aber auch durchaus traurige und sentimentale Saiten zupfen, doch spätestens wenn die greise Penelope dem alten Odysseus die Frage stellt, die sie ihm wohl jeden Abend stellt, muss man sich wieder im Lachschmerz krümmen.

Dabei ist die Kulisse mit den einfachsten Mitteln zusammengeschustert. Simplifizismus pur. Es gibt kaum Dekoration, keine opulenten Lichteffekte,buffo7 rein gar nichts, was von Lieverscheidts maskenhaftem Minenspiel ablenken könnte. Dafür spricht der Körper um so mehr in Gesten. Saug dich an diesen fest, an der Körpersprache, an der Stimme. Und auch der letzte Laie erkennt das großartige Spiel, die perfekte Körperbeherrschung, die an die Grenzen gehende Verausgabung. Schweiß tropft von der Nase. Das ist Theater für das Volk. Es bleibt nichts zu sagen, außer danke für diesen Abend. Applaus für die Irrfahrt, Applaus für den Meister.

Compagnia Buffo noch bis zum 21.06. in Münster, buffo2vom 25.06. in Essen, vom 23.07.09 in Aschaffenburg, vom 5.08.09 in Kassel, vom 20.08 in Tübingen & vom 11.09. in Freiburg.

Mehr Infos unter: http://www.compagnia-buffo.de