Was soll das denn bitte sein? Denke ich noch als ich das Foto zum ersten Mal sehe. Stillleben mit nackter Frau, Gasmaske und Farn. Sepia-Ton. Das Bild liegt zum Verkauf auf einem Flohmarkttisch neben anderen Kuriositäten aus. Schreit mein Auge an, ich muss es haben.

Dieser Akt erschüttert mein Stilempfinden bis auf die Knochen. Es ist hässlich. Kann es nicht einordnen. Nehme es in die Hand. Kann die Ästhetik nicht ansiedeln. 70er, 80er, 90er. Vielleicht früher. Später schließe ich aufgrund der wild sprießenden Achsel- und Intimbehaarung aus. Obwohl es heute immer noch Frauen gibt, die sich dem medial eingeimpften Enthaarungskult entziehen. Vielleicht zu Recht, ist aber ein anderes Thema.

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Unter einer Gasmaske versteht man eine maskenförmige Schutzbedeckung (meist aus Kunststoff, früher auch aus Leder oder Stoff), die getragen wird, um ihren Träger mittels ihrer Dichtheit gegen giftige und reizenden Kampfstoffe zu schützen. Gasmasken besitzen in der Regel einen separaten Atemschutzfilter, der entweder direkt an der Maske befestigt oder durch einen flexiblen Schlauch mit ihr verbunden ist. Neben der Anwendung im militärischen Bereich finden sich Gasmasken auch als Rettungsmittel für Zivilpersonen und im industriellen Bereich sowie als Fetischartikel für sexuelle Praktiken wie Breathcontrol. (Wikipedia)

Was soll die Gasmaske? Die Irritation steigt. Es ist Krieg, es ist Schweinepest, es ist Tschernobyl, egal was, mit Gasmaske bleibst du entspannt im Hier und Jenseits. Diese Inszenierung ist so grottenschlecht, dass ich kaum ein anderes Beispiel derart mieser Fotografie finde. Trotzdem beschäftige ich mich damit. So funktioniert Werbung. Nicht mögen, aber kaufen. Wirbt der Gasmaskenproduzenten hier? Seht wie sexy Gasmasken sind. Leider ganz und gar verfehlt. Das mit dem sexy. Die Frau verkrampft die Arme, verschränkt die Beine, steif bis in die Zehenspitzen liegt sie vollkommen unmotiviert rum. Ganz und gar nicht sexy. Diese Gasmaskenmarke hat mein Vertrauen verzockt. Will ich nicht kaufen.

Wenn es aber keine Werbung ist, was dann? Yoga ist es definitiv nicht. Spielzeug vielleicht. Gibt es Gasmaskenfetischisten? Bei Wikipedia lese ich was von Breathcontrol. Wir spielen Angriff der chemischen Keule, haben uns währenddessen lieb, vielleicht mit ein wenig Wehtun. Halt doch einfach die Luft an. Pass auf, dass es dir den Atem nicht verschlägt. Für immer.

Das Allermerkwürdigste an diesem Akt ist aber dieser Farn im Vordergrund. Selten so eine lieblos hingeworfene Dekoration gesehen. Auch das Hinzuziehen dieser Gefäßsporenpflanze verleiht dem Akt nichts Weiches. Im Gegenteil, der Farn unterstützt das Gesamturteil. Dieses Bild ist eines der hässlichsten Bilder der Welt. Hat ein Apfel und ein Ei gekostet. Und wenn herauskäme, dies sei ein Frühwerk von Helmut Newton oder womöglich von Peter Lindbergh, es würde nichts ändern. Niente. Nada. Nicht in diesem Fall.