Sophie Ristelhueber Every One # 14 (Jeder Einzelne) Silbergelatine-Abzug, Unikat 270 x 180 cm Victoria & Albert Museum, London © Sophie Ristelhueber / Pro Litteris, Zürich 2009

Früher hatte Sophie Ristelhueber Landschaften fotografiert. Vergewaltigte Landschaften. Der Mensch dringt gewalttätig in fremde Länder, in fremde Natur ein und hinterlässt geballte Verwüstung. Manche nennen es salopp Krieg. In den 90ern machte mich das Buch „Fait“ auf die Fotografin aufmerksam. Bilder während und nach dem Golfkrieg aus der Luft geschossen. Verlassene Panzer  im Wüstensand. Spuren des wirr durch die Gegend marschierenden Todes. Zum Teil ähneln die Aufnahmen den Zeichen im Kornfeld, bei deren Auftauchen immer die Frage gestellt wurde: „Sind die Außerirdischen unter uns?“ Bei Ristelhueber weiß man aber, dass diese Gestaltung der Natur nicht von kunstafinen Außerirdischen vorgenommen wurde. Menschen wüten, hinterlassen Zeichen, kerben sich ein. Mittlerweile hat sie sich den zerschundenen Körper, den lebenden Relikten des Krieges zugewandt. Ristelhueber zeigt ohne Effekthascherei die Kriegsnarben, die Einschusslöcher, die von Gewalt zeugenden Zeichen. Für immer im Körper eingebrannt. Nein, hier wächst kein Gras mehr. Obwohl sie in die inneren Bunker vordringt, obwohl ihre Bilder von schrecklichen Taten zeugen, liegt eine gewisse Ruhe in den Fotografien. Die stoische Haltung des zerstörten Körpers zeugt von erhabener Hoffnung. Wer auch immer du bist, wie schrecklich du auch wütest, meine Seele gehört mir.