Ich warte, dass meine Freundin stirbt. Weil Warten mein Leben ist. Abgeschaltet werden. Warten, dass das eine Licht erlischt. Das Leben der Anderen. Worte bahnen sich ihren Weg ins Ohr, ins Hirn, ins Nirwana. Worte ohne Verstand. Allein der Glaube schüttelt mit dem Kopf. Nein. Organversagen, Intensivstation, die Lichter blinken unentzifferbare Zahlen, Geräte piepen regelmäßig im Rhythmus des Sterbens, aus deinem gelb gefärbten Körper, der nur vage an dich erinnert, du bist es dennoch, ich erkenne dich, laufen Schläuche kreuz und quer. Rote flüssige Masse erinnert an Unendlichkeit. Es ist Blut. Es fließt. Du lebst. Jemand muss alles entwirren. Die Hoffnung steht hinten in der Schlange und gähnt, die Schlange ist lang, sie ist giftig, reih dich ein. Ich sagte: NEIN. Hört mich ein Jemand? Schrei mein Herz. Frisst dich durch Blutbahnen, zersetzt Zellen, Knochen, Organe, Gedanken und Liebe. Wohin des Weges, Abart der Zerstörung? Ein dreiviertel Jahr Abgrund – es ist nicht wahr, es ist wahr, es ist nicht wahr. Die Würfel sind gefallen. Es ist wahr. Im Zwielicht erkennst du des Spukes Fratze nicht. Wir haben geflucht, schallend gelacht, dem Krebs in die Fresse. Geladen, geschossen, gekämpft und gelitten. Wir haben geschrieben, du, geliebte Gefährtin, mit dem Wort um die Wette geeifert. Deine Geschichte für immer in meine gewebt. Am Ende verloren. Rien ne va plus. Ist es das Ende? Der Himmel bricht auf. Und wenn du vom Schlachtfeld gehst, geh in Stolz und Würde, nichts weniger wäre dir gerecht. Lass sie gehen. Ich kann nicht. Und ein Stück von mir geht mit. Halte dir im Geiste die Hand. Nimm mich mit. Du lässt mich zurück. Stein für Stein bröckelt die Wut, rieselt der Kummer die Herzkammern entlang. Mein Herz steht still und ich atme dennoch weiter. Sei leise. Hör die Nacht im Winde flattern, launisch wie ein Kind. Hör auf, schreib, nie wieder schreiben, schreib. Für sie. Nele ist tot.

 

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