India by Joachim Pantel

Es gibt den einen Augenblick, der dein Leben verändert. Verändert hat. Vielleicht verändern wird. Du gabelst ihn auf, er liegt breitbeinig am Straßenrand, die Hand zum Betteln ausgestreckt, voller Ruß und Gram von jahrhundertelangem Warten. Auf dich und deinen Atem. Er krächzt um Aufmerksamkeit, buhlt liebedienerisch, Sabber trieft das Kinn herunter. Ein Auge für einen Blick.

Nun bist du da, flimmernder Schleier, sengende Hitze, einfach nur da, siehst den Anderen, fährst in diesen Augenblick hinein, krallst dich fest mit deinen knochigen Fingern, zitterst im Staub. Blicke begegnen sich, fremde Kulturen schlängeln sich im Winde, fremde Zungen säuseln von Lust, irgendwo spiegelt sich Leben. Das Sein des Anderen in der Pfütze deines Blickes verzerrt. Der jetzt du bist.

Die Bewegung erstarrt in dem einen Moment, in dem sich Leben kreuzen, ineinandergreifen, auseinanderfließen, meistens ist das Auge zu spät. Hinkt auf Krücken hinterher. Schwammig das Begreifen, kurz vor Erleuchtung. Du nimmst das Wasser. Ist der Tropfen trüb oder seelig? Reich mir die Hand. Was bietest du Fremder? Tränk meine Lippen. Nur der Zeigefinger am Drücker, lädt durch, schießt, hält ihn fest, den Blick fest im Auge, den einen Augenaufschlag, für die Ewigkeit. The killer takes it all. Gerüche und Farben, feinster Staub dringen jetzt durch, durch dich hindurch, zu dir, du schwitzt orientalische Gewürze, Salz und Wasser, hörst Krötengesang. Später. Die Zeit ist wieder im Lot. Die Reise geht weiter. Mit oder ohne dich. Es spielt keine Rolle. Du bist fort, die Suppe wird kalt. Nichts hat sich verändert. Alles.